Victoria
Gedanken einer Depressionskranken

Hallo und
guten Abend ...

Depressive Phase?! - Ja, gerade ganz stark... Hier lass ich euch mal wissen, was eine an Depressionen erkrankte Person in solchen Phasen denkt...

Ich hasse es gerade auf der Welt zu sein ... Am liebsten würde ich mir gerade einen Strick binden oder mich durch Tabletten oder einen Sprung von einer Brücke umbringen...
Ich hasse mein Leben und Überhaupt meine Gefühle, meine Gedanken, mein Tun ...
Es wäre eh besser für alle, wenn ich nicht mehr da wäre, vorallem meiner Familie würde ich dadurch jede Menge Stress und Hektik abnehmen... Besonders meiner verkackten, scheiß Mutter, die mich leider vor 23 Jahren gebären musste. Warum hat sie dies überhaupt getan? Sie hasst mich doch eh.
Ich fühle mich wieder einmal, wie der letzte Versager... Dank IHR. Merkt sie eigentlich, dass sie alles nur noch schlimmer macht? - Nein, sie nimmt mich und meine Krankheit ja nicht mal ernst...
Was will eigentlich jemand mit so Einer wie mir?
Ich fühle mich leer, so antriebslos...
Meine Motivation zum Lernen für die Prüfung am Mittwoch gleicht Null... Ich schaffe es ja eh nicht. Ich bin eine Versagerin!
Hier lebe ich einfach nur in der Hölle . Ich will weg! Am liebsten direkt...
24 Uhr... Ich kann nicht schlafen, dabei hatte ich mir vorgenommen, heute früh zu schlafen, um morgen nochmal richtig gut lernen zu können.
Gerade habe ich Schluckauf... Warum? Geh weg!
Ich wünsche mich in die Vergangenheit zurück...
Ich möchte allein sein... Keine Lust mich morgen mit Angi zu treffen... Sie ist zwar meine beste Freundin & versteht mich auch, aber... Ich habe Angst, dass ich auch für sie nur eine Last bin.
Am Besten verkrieche ich mich einfach in meinem Bett...
Mich will eh niemand. Gerade habe ich nicht mal mehr die Kraft zum Heulen. Ich bin wie versteinert & starre leer in mein Netbook, während ich diese Worte tippe...

_____

Habt ihr Freunde oder Bekannte, die an einer Depression leidern? Hier ein paar Dinge, wie ihr als "Normale" in einer solchen Situation helfen könnt:

- Akzeptiert die Depression als Erkranktung!
Menschen mit einer Depression können sich von heute auf morgen komplett verändern... Plötzlich möchten sie nichts mehr unternehmen, leiden an Schuldgefühlen, sind traurig und Hoffnungslos und sind meistens furchtbar müde und unmotiviert. Dies Alles tun sie NICHT aus bösem Willen! Sie können nicht anders! Akzeptiert dies bitte und stichelt nicht mit Sätzen wie:"Das hast du doch früher auch gern gemacht!" "Du bist so langweilig und faul geworden!" "Alles wird gut..."
Für Depressionserkrankte wird nicht alles wieder gut. Sie denken sehr pessimistisch. Ein "Alles wird gut" lässt sie meistens sauer werden.

- Zieht einen Arzt zur Rate!
Oft suchen depressionskranke Menschen die Schuld für ihr Befinden bei sich und denken nicht an eine Erkrankung. Ebenfalls glauben viele nicht, dass ihnen überhaupt geholfen werden kann oder es fehlt ihnen einfach die Kraft, einen Arzt aufzusuchen. Also ergreift die Initiative und schließt einen Arzttermin ab. Begleitet euer / eure Freund/in zum Termin und gebt ihnen das Gefühl, bei ihnen zu sein!

- Bleibt geduldig!

Viele Depressive äußern Klagen und Verzweiflung, oft ziehen sie sich auch von ihrer Umwelt zurück.
Versucht nicht, den Erkrankten von der Grundlosigkeit seiner Schuldgefühle zu überzeugen. Lasst euch sich nicht auf Streit darüber ein, ob seine negative Sichtweise "gerechtfertigt sei oder nicht. Beides wird keinen Erfolg bringen. Tut die körperlichen Missempfindungen und Krankheitsängste des Depressiven nicht als übertrieben oder "nur psychisch bedingt" ab, denn depressive Menschen dramatisieren ihr Erleben nicht. Es ist die Depression, die auch leichte Schmerzen oder Missempfindungen ins kaum Erträgliche steigert.
Wendet euch nicht von Ihrem erkrankten Freund / Freundin ab, auch wenn er euch noch so abweisend erscheint.
Bis es dem Betroffenen besser geht, können Woche bis Monate vergehen...

- Seid zurückhaltend mit gut gemeinten Ratschlägen!

Seid zurückhaltend mit gut gemeinten Ratschlägen!
Es hat keinen Sinn, einem depressiven Menschen zu raten, abzuschalten und für ein paar Tage zu verreisen, denn eine fremde Umgebung verstört den Erkrankten meist zusätzlich. Auch "Reiß dich zusammen!" ist hier komplett falsch am Platz. Hier werden die Schuldgefühle meist noch unerträglicher, da man meist sowieso schon das Gefühl hat, jeden zu nerven.

- Seid für eure erkrankten Freunde da!

Gebt dem depressiven Menschen das Gefühl, für ihn da zu sein. Sagt ihm, dass er anrufen kann, wann immer er möchte, besucht ihn, so oft wie möglich und sagt ihm so oft, wie es geht, dass ihr für ihn da seid. Dennoch übernehmt euch nicht selbst! Wenn ihr merkt, dass es zu viel wird, redet mit anderen Freunden & Angehörigen des Erkrankten und bittet um Hilfe.

- Vergangenheit...

... "Weißt du noch?" Nun ... Ich denke dies ist von Mensch zu Mensch verschieden. Ich höre diesen Satz in einer solchen Phase unheimlich gerne. Ich erinnere mich liebend gern an Tage, an denen alles noch so einfach war oder etwas ganz Lustiges passiert ist. Ich beginne dann zwar zu weinen, merke aber, dass es mir hilft.
Eine Freundin von mir wird dann aggressiv und wendet sich ab...
Ihr könnt aber euren depressiven Freund / eure depressive Freundin aber mit vielen Dingen aufmuntern, die er früher gern getan hat. (Party machen, Spieleabend, Pyjamaparty, DVD-Abend, Sport...) Das motiviert die meisten Depressionskranken.



- Allein sein heißt allein sein!

Wenn der Depressionskranke fordert, allein sein zu wollen, lasst ihn auch allein. Ihr könnt trotz der meist hohen Gefahr an suizidalen Gedanken denjenigen nicht 24/7 einsperren. Wegen dem Gefühl "alle zu nerven" wollen manche Menschen mit Depressionen einfach für ein paar Minuten oder Stunden alleine gelassen werden. Meist melden sie sich danach wieder. nach 1 Stunde könnt ihr von euch aus mal nach dem depressionserkranktem Menschen fragen.

- Stellt keine dummen Fragen

Heute erlebt:

Dialog:
Ich: "Meine Mutter spinnt mal wieder total rum ... Ich weiß langsam echt nicht mehr weiter, ich mach hier alles falsch... Dabei will ich ihr nur helfen..."

Freund:"Was bedeutet denn rumspinnen?"

Ich:"Boah lass es. Ciao!"

Klingt komisch... Aber solch dumme Fragen kann ich persönlich in solchen Situationen nicht gebrauchen. Man hätte hier, wenn man das Wort "Rumspinnen" nicht kennt, auf den Rest eingehen können bsp: "Du machst bestimmt nicht alles falsch, du kennst deine Mutter, sie ist eben einfach nur zu blind, um zu sehen, dass du es nur gut meinst. Irgendwann, wenn du nicht mehr da bist, wird sie merken, was fehlt und angekrochen kommen!" (Zitat eines anderen Freundes, mit dem ich dann danach telefoniert hatte)

Aufmuntern anstatt Fragen stellen!
"Wieso fühlst du dich so, was ist denn passiert?" - Auch dies... Bitte unterlassen!

Ich spreche hier hauptsächlich von mir und einigen Freunden von mir, die ebenfalls an einer Depression leiden. Natürlich können diese Dinge von Person zu Person abweichen...



Ich wünsche euch eine gute Nacht!
21.6.15 00:14
 
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Depression

ist normalerweise

nichts weiter

als aus Angst unterdrückte Wut

und unterdrückte Trauer

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